Themenfeld 2: Diskriminierung im Kontext der Präventionsarbeit
Ist das Antisemitismus?
Ein besorgniserregender Trend setzt sich fort: Die Zahl antisemitischer Straftaten erreichte, laut BKA, im Jahr 2024 mit 6.236 registrierten Fällen einen vorläufigen Höchststand. Parallel dokumentierten die RIAS-Meldestellen 8.627 antisemitische Vorfälle im selben Zeitraum. Zugleich zeigt sich, dass Antisemitismus nicht eindeutig einem einzelnen Phänomenbereich zuzuordnen ist, sondern in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten auftritt.
Ziel der Fortbildung ist es, ein grundlegendes Verständnis der gängigen Definitionen von Antisemitismus – insbesondere der IHRA-Arbeitsdefinition sowie der Jerusalemer Erklärung – zu vermitteln. Anhand von Fallbeispielen werden die Teilnehmenden befähigt, antisemitische Aussagen und Vorkommnisse im Alltag und in sozialen Medien differenziert einzuordnen. Darüber hinaus wird erarbeitet, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen, um antisemitische Vorfälle angemessen zu würdigen, selbst wenn sie keine strafrechtliche Relevanz erreichen.
Die Fortbildung erweitert das Wissen der Teilnehmenden zum Thema Antisemitismus und zeigt auf, welche Rolle antisemitische Narrative in Radikalisierungsprozessen spielen. Zudem stärkt sie die Handlungssicherheit im Erkennen und Einschätzen antisemitischer Vorfälle und unterstützt die Teilnehmenden dabei, konkrete Interventions- und Reaktionsmöglichkeiten für ihren Arbeitskontext zu entwickeln.
Inhalt:
- Definitionen Antisemitismus
- Phänomenübergreifende Betrachtung von Antisemitismus
- Funktionen von Antisemitismus
- Umgang mit Antisemitischen Vorfällen
Antiziganismus – Wie Vorurteile unsere Blicke auf eine Bevölkerungsgruppe beeinflussen
Die vermeintlichen Lebenswelten der SintiZze und RomNja wirken auf viele aus der Mehrheitsgesellschaft fremd. Die Stereotype reichen von vermeintlich positiven Zuschreibungen wie Musikalität, Lebens- und Tanzfreude über das Bild einer nomadisch lebenden Gesellschaft bis hin zu negativen Zuschreibungen wie einem Hang zur Kriminalität. Diese Zuschreibungen bewirken, dass viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Mehrheitsgesellschaft SintiZze und RomNja mit Vorbehalten gegenübertreten und es aus scheinbar kulturellen Gründen zu Konflikten kommt. Gleichzeitig werden staatliche Institutionen aus der Minderheit oft skeptisch gesehen. Der Grund hierfür ist nicht die kategorische Ablehnung des Rechtsstaates, sondern die lange Geschichte institutioneller Diskriminierung, die nicht mit dem Ende des Völkermordes an SintiZze und RomNja, Porajmos genannt, endete. Diese Spannungslage zwischen Stereotypen und Misstrauen stellt das Justizsystem vor eine große Herausforderung.
Als Beitrag zu einer diskriminierungsarmen Gesellschaft ist es unabdingbar, sich kritisch mit diesem vermeintlichen Wissen auseinanderzusetzen. Um dieses zu erreichen, ist es wichtig zu verstehen, dass dieses unabhängig vom Verhalten der diskriminierten Gruppe entsteht und es sich dabei um Stereotype der Mehrheitsgesellschaft handelt. Trotz ihrer gemeinsamen ‚Kultur‘, Sprache und (Diskriminierungs-)Geschichte, ist es wichtig, sie nicht stereotypisch darzustellen, sondern die Vielfalt ihrer individuellen Lebenswelten anzuerkennen.
In der Fortbildung reflektieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Wahrnehmung und ihr Wissen über die Lebenswelten von SintiZze und RomNja, dabei hinterfragen sie gesellschaftliche Stereotype. Sie erwerben ein Grundverständnis über Antiziganismus und dessen Funktion innerhalb der Mehrheitsgesellschaft. Durch die Fortbildung fördern sie ihr Bewusstsein für diskriminierungssensiblen Umgang und können Impulse und Lösungsansätze für ihre beruflichen Praxis entwickeln.
Inhalt
· Perspektiven von SintiZze und RomNja
· Vielfältige Biografien von SintiZze und RomNja
· Sensibilisierung: Antiziganismus
· Kritische Auseinandersetzung mit Vorurteilen
· Stärkung: Diversitätsbewusstsein und Haltung
· Entwicklung von Handlungsoptionen für die berufliche Praxis
Rassismus und seine Folgen verstehen
Menschen sind vielfältig. Alle haben dieselben Rechte und die Pflicht, respektvoll miteinander umzugehen. Doch leider sieht die Realität für manche Menschen anders aus: Einige erleben manchmal und andere tagtäglich Herabsetzungen, Demütigungen und Diskriminierung auf der Straße, beim Einkaufen oder in Behörden. Wie kann sich das ändern? Welches Wissen und welche Haltung sind dafür notwendig?
Am Ende der Fortbildung “Rassismus und seine Folgen verstehen” haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedliche Formen und Auswirkungen von rassistischer Diskriminierung im Alltag kennengelernt. Sie wissen nicht nur um den historischen Zusammenhang zwischen Kolonialismus und heutigem rassistischen Denken und Handeln, sondern sie sind für alltägliche Rassismen sensibilisiert und können die Perspektive der Betroffenen – kognitiv und emotional – nachvollziehen. Die Teilnehmenden sind sich ihres eigenen stereotypen Denkens und ihrer Vorurteile bewusst und können damit reflektiert im beruflichen Alltag umgehen. Aufgrund ihrer gestärkten Haltung gegen rassistisches Denken können sie sensibel Handlungsfelder in ihrem beruflichen Alltag identifizieren, diese im Hinblick auf ihr Umsetzungspotenzial differenzieren und anwenden. Dies ermöglicht es ihnen diversitätssensibel zu handeln, auf ihre Zielgruppen intensiver einzugehen und gemeinsam Brücken für eine bessere Verständigung zu schlagen.
Inhalt
· Basiswissen: Kolonialismus und Alltagsrassismus
· 3-Ebenen-Modell der Diskriminierung
· Rassistisches Denken und Handeln aus der Perspektive von Betroffenen
· Entwicklung von Handlungsoptionen zur Rassismusprävention im beruflichen Kontext
Antimuslimischen Rassismus begegnen als Baustein der Präventionsarbeit
Rückständig, gefährlich und antidemokratisch – solche Darstellungen von Muslimen finden sich in Film, Fernsehen und in verschiedenen politischen Parteiprogrammen. Dabei handelt es sich um vereinfachende und diskriminierende Bilder, die auch als antimuslimischer Rassismus bezeichnet werden können. Dieser zeigt sich nicht nur durch offene Diskriminierung, sondern auch durch subtile Vorurteile und Mikroaggressionen, die das tägliche Leben von Musliminnen und Muslime oder die für solche gehalten werden erheblich beeinflussen können. Diskriminierungserfahrungen können einen erheblichen Einfluss auf Radikalisierungsprozesse haben, weil sich extremistische Personen als empathischen Gegenpol zur Gesellschaft inszenieren können.
Um diesen strukturellen, gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen entgegenzuwirken und ein besseres Verständnis zu fördern, ist es wichtig, die oft alltäglichen Diskriminierungserfahrungen von muslimisch gelesenen Personen in Deutschland zu beleuchten. Dadurch können Missverständnisse, Vorurteile und Herausforderungen erkannt und konstruktiv bearbeitet werden. Diese Perspektive ermöglicht es neue Lösungsansätze zu entwickeln und im Rahmen der Präventionsarbeit religiöse (Selbst-) Zuschreibungen zu hinterfragen.
In der Fortbildung erhalten die Teilnehmenden einen Einblick in die Vielfältigkeit muslimischen Lebens in Deutschland und die Herausforderungen, denen sie aufgrund von Diskriminierungen ausgesetzt sind. Sie können reflektieren, wie unbewusste und bewusste Vorurteile das tägliche Leben und die berufliche Praxis beeinflussen. Zudem werden Handlungsoptionen für den Berufsalltag diskutiert, die es den Teilnehmenden ermöglichen diskriminierende Strukturen zu erkennen, abzubauen und entgegenzuwirken.
Inhalt:
· Basiswissen: Antimuslimischer Rassismus, Muslimfeindlichkeit und Religionskritik
· Funktionen von Vorurteilen und Stereotypen
· Rassistisches Denken und Handeln aus der Perspektive von Betroffenen
· Entwicklung von Handlungsoptionen zur Rassismusprävention im beruflichen Kontext
Antifeminismus & Femizide – Eine Herausforderung für die Gesellschaft
Die grundlegende Abwertung von Frauen und allem Weiblichen ist nach wie vor weit verbreitet. In ihrer Extremform kann sie bis hin zur gewaltvollen Tötung von (Ex-) Partnerinnen oder weiblichen Familienangehörigen führen. In den Medien werden diese oft als ‚Ehrenmorde‘ skandalisiert oder als ‚Liebesdrama‘ verharmlost. Diese Aggressionen richten sich gegen eine sich verändernde Gesellschaft, in der Personen ihren eigenen Status bedroht sehen. Diese Ablehnungshaltung wird sowohl von extremistischen Gruppierungen aufgegriffen, als auch von neuen Bewegungen die sich formieren, wie Männerrechtlern, Tradwives oder Incels.
In einer Gesellschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, verschiedene Personengruppen und Lebensentwürfe gleichwertig zu behandeln, müssen diese Formen von Gewalt und Diskriminierung besser verstanden werden um ihnen entgegentreten zu können. Um dies zu erreichen, werden die Teilnehmenden der Veranstaltung sowohl das Zustandekommen antifeministischer Bestrebungen, als auch die aktuellen Erscheinungen in gesellschaftlichen Debatten betrachten. Sie werden eigene Vorstellungen und gesellschaftliche Stereotype hinterfragen und Raum für das Erweitern der eigenen Haltungen zu diesem Themenkomplex haben. So sollen letztlich Impulse und eigene Handlungsansätze für die berufliche Praxis entwickelt werden können.
Inhalt:
· Begriffsdefinition und Erscheinungsformen: Antifeminismus und Femizid
· Antifeministische Akteursgruppen
· Reflektion der eigenen Haltung
· Diskussion von Handlungsansätzen in der Berufspraxis
